Human Centric Lighting in Schule und Bildung

Wenn um 8 Uhr morgens die Schulglocken zur ersten Unterrichtsstunde läuten, sind die meisten Schüler noch halb im Schlafmodus. Der frühe Schulbeginn ist vor allem für junge Schüler oft schwierig zu bewältigen, viele sind noch müde und wenig motiviert zum Lernen. Human Centric Lighting (HCL) kann helfen, ihrem Biorhythmus die notwendigen Impulse zu geben, Merkfähigkeit und Konzentration zu steigern. Eine aktivierende Beleuchtung mit höheren Beleuchtungsstärken und einer Farbtemperatur von mindestens 5.000 Kelvin unterstützt die Aufmerksamkeit der Schüler beispielsweise bei Klassenarbeiten oder bei Leseaufgaben.

„Konzentration“ per Knopfdruck

Einige Schulen arbeiten bereits erfolgreich mit entsprechenden Lichtanlagen. So können zum Beispiel die Lehrer in einer Hamburger Schule die Beleuchtung im Klassenzimmer individuell anpassen,Farbtemperatur und Beleuchtungsstärke auf Knopfdruck variieren.

  • Wählt die Lehrerin zu Beginn der ersten Stunde zum Beispiel die Einstellung „aktivieren“, macht kaltweißes Licht mit einer Farbtemperatur von 12.000 Kelvin und 650 Lux Beleuchtungsstärke die Schüler munter. 
  • Die Einstellung „konzentriertes Arbeiten“ unterstützt Konzentration und Leistungsfähigkeit mit etwa 1.000 Lux und einer Farbtemperatur von 6.000 Kelvin, die dem natürlichen Tageslicht sehr nahe kommt. Das hilft bei wichtigen Rechen- und Schreibaufgaben oder bei Klausuren. 
  • Wird es unruhig in der Klasse, wählen Lehrer den Menüpunkt „beruhigen“: Das Licht wird auf rund 300 Lux gedimmt, die Farbtemperatur sinkt auf 2.700 Kelvin. Das warmweiße Licht sorgt dafür, dass Schüler in Gruppendiskussion, nach Klassenarbeiten oder hektischen Schulstunden „herunterfahren“ können.

Mehr Leistung mit dynamischem Licht

Fast ein Jahr lang beobachten Forscher der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wie sich dynamische Beleuchtung auf Konzentration und Leistungsfähigkeit von Schülern auswirken. Die Daten der Gruppe, die unter dynamischem Licht lernte, verglichen sie mit einer Kontrollgruppe, die dieselben Aufgaben wie Konzentrations- und Textverständnistests unter Standardbeleuchtung ausführte. Zudem haben psychologische Gutachter Hilfsbereitschaft und Aggressionsverhalten ausgewertet. 

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Schüler, die mit konzentrationsförderndem Licht arbeiteten, zeigten sich deutlich leistungsstärker:

  • Leseverständnis und Lesegeschwindigkeit stiegen um bis zu 30 Prozent. 
  • Ihre Fehlerquote sank bei zwei nacheinander durchgeführten Tests um 45 Prozent; die Kontrollgruppe hingegen verbesserte sich unter normaler Beleuchtung nur um 17 Prozent. 
  • Zugleich sank die motorische Unruhe bei der Einstellung „beruhigen“ bereits nach acht Minuten um 75 Prozent. Die Kontrollgruppe beruhigte sich im gleichen Zeitraum um nur etwa zehn Prozent.


Ausgeglichener und morgens fitter

Gleichzeitig haben die Wissenschaftler beobachtet, dass die Schüler aus den dynamisch beleuchteten Klassenzimmern friedfertiger und umgänglicher waren. Insgesamt entspannt dynamisches Licht Stresssituationen für Schüler und Lehrer – mit dem Ergebnis, dass beide Seiten bessere Leistungen erbringen können.

Eine ähnlich aufgebaute Studie an zwei Ulmer Gymnasien bestätigt die positiven Ergebnisse aus Hamburg. Hier führten die Schüler zudem ein Schlaftagebuch. Es zeigte sich, dass alle Schüler vergleichbar viele Stunden geschlafen haben. Bei Schülern, die tagsüber bei Licht mit höheren Blauanteilen gearbeitet haben, hat sich der Schlafrhythmus allerdings verlagert: Sie gingen abends früher zu Bett und waren morgens ausgeschlafen und fit. Somit zeigt sich, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus und die Lichthistorie bei Schülern wichtige Einflussgrößen für den Lernerfolg sind.

Weitere Infos zum richtigen Licht in Schule und Bildung

Noch mehr Informationen über gute Beleuchtung für Schule und Bildung gibt es hier auf der Webseite bei den Lichtanwendungen in der Rubrik „Schule und Universität“ sowie in Heft licht.wissen 02 „Besser lernen mit gutem Licht“, das als PDF heruntergeladen oder bestellt werden kann. 

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