Der Mensch und sein Biorhythmus

Der Biorhythmus des Menschen hat sich über Millionen Jahre dem Wechsel der Jahreszeiten und vor allem dem Tagesverlauf angepasst. Vom Gehirn kontrolliert, läuft im menschlichen Körper jeden Tag das gleiche Programm ab. Die innere Uhr steuert Schlaf- und Wachphasen, aber auch Herzfrequenz, Blutdruck und unsere Stimmung. 

Viele Körperfunktionen des Menschen verlaufen zyklisch. Chronobiologen unterscheiden je nach Periode drei wichtige Kategorien:

 

  • Ultradiane Rhythmen betragen jeweils nur wenige Stunden, wie zum Beispiel Tageszeiten oder Hunger-, Wach- und Schlafphasen bei Säuglingen.
  • Circadiane Rhythmen orientieren sich an Tag und Nacht. Sie dauern etwa 24 Stunden.
  • Infradiane Rhythmen sind länger als 24 Stunden, wie zum Beispiel der Wechsel der Jahreszeiten.

 

 

Mal topfit, mal matt: Der Mensch im Tagesverlauf

Der Mensch und seine Körperfunktionen folgen tages- und jahreszeitlichen Rhythmen. Jede Zelle und jedes Organ steuern ihr eigenes zeitliches Programm. Atmung und Herzschlag, Wachen und Schlafen: Alle biochemisch kontrollierten Funktionen haben im Laufe eines Tages individuelle Hoch- und Tiefpunkte.  

Kurz vor dem Aufwachen:  Körpertemperatur, Blutdruck und Pulsfrequenz steigen an.
Etwa eine Stunde später:  Der Körper produziert stimulierende Hormone.
10 bis 12 Uhr:  Körper und Gehirn laufen auf Hochtouren, knifflige Denksportaufgaben fallen leicht, das Kurzzeitgedächtnis ist topfit - die beste Zeit für Prüfungen und anspruchsvolle Tätigkeiten. Mediziner wissen allerdings auch, dass dies die gefährlichste Zeit für einen Herzinfarkt ist.
12 bis 14 Uhr:  Verdauungszeit: Der Magen produziert verstärkt Säure, damit das Mittagessen gut verdaut werden kann. Dabei verschlingt der Magen soviel Energie, dass der restliche Körper ermüdet. Der Mensch ist matt und hat ein Leistungstief.
Früher Nachmittag: Zweites Leistungshoch für Körper und Geist. Außerdem ist das Schmerzempfinden auf seinem Tiefpunkt; also ein idealer Zeitpunkt für den Zahnarzttermin.  
16 bis 17 Uhr: Wer Sport treibt, ist besonders leistungsfähig; die ideale Zeit für Muskelaufbau und Konditionstraining.
18 bis 20 Uhr: Der Körper schaltet auf Feierabend. Wird es dunkel, ermüdet der Mensch.  
3 Uhr nachts: Der Organismus erreicht seinen absoluten Tiefpunkt und ist kaum leistungsbereit. Die Statistik erfasst für diesen Zeitpunkt übrigens die meisten natürlichen Sterbefälle.

Lichtmangel im Winter

Auch die Jahreszeit beeinflusst den Biorhythmus des Menschen: Oftmals ist er im Winter weniger fit, kann sich nur schlecht konzentrieren oder reagiert langsamer. Viele Menschen sind zudem im Winter nervöser als im Sommer und häufiger schlecht gelaunt. 

Manche Menschen werden durch den Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit so stark belastet, dass sie an einer saisonal abhängigen Depression (Seasonal Affective Disorder = SAD) leiden. In Deutschland ist jeder zehnte Erwachsene davon betroffen. Lichttherapie hilft gegen die Symptome. 

Schlafbedürfnis und Alter

Im Laufe des Lebens verändert sich der Biorhythmus des Menschen. So ist die innere Uhr von Säuglingen und Kleinkindern zum Beispiel noch von ultradianen Rhythmen bestimmt, also Phasen von je drei oder vier Stunden. Erst im Alter von fünf Jahren passt sich der Mensch an Tag und Nacht an. 

Teenager gehen abends gerne spät ins Bett und schlafen dafür morgens länger, oft auch mehr als acht Stunden am Stück. Mit 18 bis 20 Jahren nimmt das Schlafbedürfnis dann wieder ab; gut sieben Stunden Schlaf reichen aus. 

Mit Beginn des dreißigsten Lebensjahres lässt die Schlafqualität kontinuierlich nach: Der Mensch schläft flacher und subjektiv schlechter, obwohl er früher und regelmäßiger ins Bett geht als in den Jahren zuvor. Ist das siebzigste Lebensjahr überschritten, braucht der Mensch nachts immer weniger Schlaf. Sein Schlaf-Wach-Rhythmus koppelt sich zunehmend von den äußeren Taktgebern ab, weshalb viele ältere Menschen nur ungern auf ihren Mittagsschlaf verzichten.

Welcher Chronotyp sind Sie?

Lerche oder Eule? Der Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen ist fest im Erbgut verankert – und nicht bei jedem gleich. Frühaufsteher und Morgenmuffel gehören zu unterschiedlichen Chronotypen.

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