Ein Beitrag von Prof. Dr. Plischke, Hochschule München

Ausblick: Wissen weitergeben und weiter forschen

Die Erkenntnisse der Forschung zur Bedeutung der nicht-visuellen Effekte von Licht auf den Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Steigerung erfahren. Die wesentlichen Wirkprinzipien sind gut bestätigt, und markttaugliche Konzepte für adaptive Lichtsysteme sind vorhanden. Nun ist es notwendig, die Erkenntnisse in die berufliche Bildung und im Markt weiter voran zu bringen.

Mittlerweile ist es wissenschaftlich gut belegt, dass Licht nicht nur dem guten Sehen dient. Vielmehr kann es auch als Teil unserer Ernährung begriffen werden, denn Licht kann, ebenso wie die tägliche Nahrung positive wie negative Aspekte haben – von der Winterdepression bei zu wenig Sonnenlicht bis zu Hautkrebserkrankungen bei zu viel Sonnenlicht. Künstliches Licht zur richtigen Zeit mit dem richtigen Spektrum kann zu wenig vorhandenes natürliches Licht effektiv ausgleichen.

Allerdings ist ein regelmäßiger, nicht unterbrochener Tag-Nacht-Rhythmus – oder besser: der Licht-Dunkel-Rhythmus – ein entscheidender Faktor für unser Wohlbefinden und für den Erhalt der Gesundheit. Falsches Licht zur falschen Zeit führt erwiesenermaßen zur Störung der hormonellen Rhythmen des Menschen. Langjährig ausgeübte Schichtarbeit mit regelmäßiger Unterbrechung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus ist von der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) sogar als vermutlich krebserregend eingestuft worden.

Neue Impulse für die Gesundheitsprävention

In der Zukunft werden deshalb adaptive (anpassende) Lichtsysteme immer mehr Bedeutung für die Gesunderhaltung des Menschen erhalten. Vom aktivierenden Licht am Morgen bis zum schlaferhaltenden Leselicht am Abend im privaten Bereich oder der biologisch wirksamen Arbeitsplatzbeleuchtung für 24-Stunden-Kunstlichtarbeitsplätze als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements: Moderne Lichtanlagen werden neue Impulse für die Gesundheitsprävention geben.

Wie auch bei der Ernährung gibt es individuell unterschiedliche Anforderungen an die Menge und Zeit der Einnahme. Zukünftige Lichtsysteme werden individualisierbar, aber auch massentauglich sein (mass personalization) und die individualisierte Lichtdosis entsprechend den Bedürfnissen des Nutzers abgeben. Nichtstörende ambiente und körpernahe Sensorik kann dabei helfen.

„Assistive Technologie“

Aus der dynamischen Beleuchtung wird „Assistive Technologie“, die zur Gesunderhaltung des Menschen eingesetzt werden kann. Möglich wird das vor allem auch mit energiesparender LED-Technik, die eine sinnvolle Verknüpfung mit der Einsparung von CO2 bietet. Reines Energieeffizienzdenken ist allerdings nicht angebracht. Die Nutzung der nicht-visuellen Wirkungen von Licht, die bisher nicht beachtet wurden, gibt es nicht zum Nulltarif. Hier gilt es, zwischen den Bedürfnissen des Menschen und der Einsparung von Energie sinnvoll abzuwägen.

Um den Markt voranzubringen und die wichtigen empirischen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Anwendungsfeldern zu erhalten, ist es wichtig, die Breitenausbildung intensiv auszubauen. Aber nicht nur Lichtplaner, Architekten, Energieberater und Elektrohandwerker sollten als Fachleute zur Planung dieser Lichtanlagen weitergebildet werden. Es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, in Schulen und Betrieben über die neuen Erkenntnisse der Wirkung von Licht auf die Hormone, aber auch über „Lichthygiene“ – das heißt dem notwendigen Nichtvorhandensein von Licht – aufzuklären.

Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Herbert Plischke
Hochschule München, Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik

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