Fassaden

Klassizistischer Altbau oder postmoderne Architektur, Glas-, Beton- oder Stahlkonstruktion: Die technischen Möglichkeiten in der Beleuchtung von Fassaden und deren Akzentuierung durch den gezielten Einsatz von Licht sind heute vielfältiger denn je.


Während am Tage natürliche Lichtstimmungen die architektonischen Besonderheiten von Gebäuden betonen, bietet der Einsatz individueller, nächtlicher Beleuchtungslösungen viele zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Dabei kann die Beleuchtung charakteristische Elemente der Fassade betonen oder durch geschickte Planung als „vierte Dimension" der Architektur eine völlig neue Wirkung bei Nacht schaffen.

Lichtdimensionen beachten

Bei der Planung einer Fassadenbeleuchtung sind drei Dimensionen zu beachten:

1. Fläche: Breitstrahlende Leuchten aus geringer Distanz oder lichtstarke Fluter aus größerer Distanz, z. B. an gegenüberliegenden Masten oder Gebäuden, leuchten vertikale Ebenen gleichmäßig aus. Das flächig auftreffende Licht lässt Fassaden hell und ruhig, aber nicht sehr plastisch wirken.

2. Plastizität: Nahe der Fassade angebrachte, akzentuierende Leuchten schaffen Plastizität. Die gut kontrollierbare Lichtverteilung bringt Details wie Simse, Vorsprünge und Fenster mit dramatischen Hell-Dunkel-Kontrasten zur Geltung. In Kombination mit flächiger Beleuchtung entsteht so ein enger Bezug zur Architektur.

3. Räumlichkeit:
Auch Licht aus dem Gebäudeinneren heraus gliedert die Fassade und verleiht ihr Lebendigkeit. Beleuchtete Fenster schaffen eine interessante Korrespondenz zwischen Innen und Außen.

Spiel mit Licht und Schatten

Leuchten und ihre Abstrahlcharakteristik entscheiden über die Lichtwirkung. Eine flächige Ausleuchtung lässt sich durch Scheinwerfer oder Fluter erreichen, die in etwas größerer Entfernung zum Gebäude installiert werden. Gebäudenah installierte Leuchten betonen Details wie Stuckaturen. Gerichtetes Licht aus Bodeneinbauleuchten oder Scheinwerfern mit engstrahlendem Ausstrahlungswinkel beschränkt sich dabei nur auf die besondere Einzelheit und hält die Umgebung dunkel. Ebenso kann die Beleuchtung aus dem Innenraum zur Inszenierung beitragen, um Fenster oder Arkaden zu betonen.

Bodeneinbauleuchten sind ein vielseitiges Lichtwerkzeug im Außenraum. Denn allein Reflektor und Linsenoptik verändern die Abstrahlcharakteristik und damit die Lichtwirkung. Wandnah montiert und mit asymmetrischer, breitstrahlender Charakteristik fluten solche Leuchten Wände mit flächigem Licht und betonen die vertikale Fläche als raumbildendes Element. Wird der Helligkeitsschwerpunkt auf Augenhöhe gesetzt, lassen sich wichtige Elemente der Wand bei gleichzeitiger Ausleuchtung der gesamten Fläche besonders betonen.

Streiflicht aus Bodeneinbauleuchten mit asymmetrischer Spot-Charakteristik hellt nicht nur eine Wand auf, sondern arbeitet auch die Oberflächenstruktur plastisch heraus. Die Kombination aus gebäudenaher, eng gebündelter und flächiger Beleuchtung sorgt bei Nacht für eine spannende Inszenierung von Fassaden. Zusätzliches Orientierungslicht geben Pollerleuchten oder bündig in die Wegeflächen integrierte Bodeneinbauleuchten.

Texturen sichtbar werden lassen

Bei der Beleuchtung von Fassaden entscheidet unter anderem der Abstand der verwendeten Leuchten zur angestrahlten Wandfläche stark über die Wahrnehmung von Farbe und Oberfläche. Je nach Entfernung der Lichtquelle werden dabei unterschiedliche Aspekte betont.

Positioniert man eine Leuchte z. B. im Abstand von ca. 30 Zentimeter zu einer Fassade und richtet den Lichtkegel auf sie, beleuchtet das Licht die auswölbende Oberfläche des Steins, während Einbuchtungen im Schatten bleiben. Die Mauer erscheint damit in starkem Hell-Dunkel-Kontrast; Farben werden nur sehr schlecht wahrgenommen. Es dominiert die Oberflächenstruktur, sodass die Mauer dunkel und bedrohlich wirken kann.

Befindet sich die Mauer im Abstand von ca. 90 Zentimeter zu einer Fassade, ändert sich das Bild: Die Oberflächenstruktur erscheint weniger dominant – und es sind bereits einige Farben zu erkennen.

Wird die Distanz der Leuchte auf drei Meter bzw. neun Meter erhöht, erscheint die Fläche merklich weicher und flacher. Die Farben werden klarer und besser erkennbar, während die Oberflächenstruktur immer unspezifischer wird. Das Auge kann hervorstehende und zurücktretende Strukturen nicht mehr voneinander unterscheiden.

Lichtfarbe wählen

Eine grundlegende Entscheidung bei der Außenbeleuchtung eines Gebäudes ist die Wahl der Lichtfarbe. Neutrales weißes Licht eignet sich für moderne Architektur mit klaren Linien. Den Glanz von Metall- und Glasfassaden unterstreichen z. B. Halogen-Metalldampflampen und neutralweiße LEDs, die auch weiße Fassaden zum Strahlen bringen. Warme Lichtfarben mit hohen Rotanteilen passen wiederum gut zu historischen Gebäuden und Sandstein-Fassaden (z. B. warmweiße LEDs oder Natriumdampf-Hochdrucklampen). Auch farbige Inszenierungen sind mitunter eine gute Wahl.

Leuchten und Lichtquellen

Je nach Planung kommen Wandleuchten oder Bodeneinbauleuchten, LED-Liniensysteme oder verschiedene Strahler für den Außenbereich zum Einsatz. So lenken z. B. Strahler mit eng gebündeltem Licht den Blick auf Details wie Gesimse oder historische Ornamente. Wandleuchten oder Bodeneinbauleuchten mit asymmetrischer Lichtverteilung bieten flächiges Streiflicht, das Holzelemente oder das Relief von Natursteinfassaden effektvoll betont. Ausgereifte Optiken, Reflektoren und Linsen bringen das Licht exakt dahin, wo es gebraucht wird – ob modulierbar und blendfrei zur Ausleuchtung von Details oder zur gleichmäßigen Beleuchtung von Wänden. Alle Komponenten müssen eine entsprechende Schutzart aufweisen mindestens IP 54 und Schutz vor Vandalismus bieten, z. B. durch den Einsatz schlagzäher Materialien.

Moderne Leuchten mit effizienten Lichtquellen reduzieren Lichtimmissionen und Lichtsmog. Studien belegen, dass LED-Lösungen nicht nur viel Energie sparen, sondern auch weit weniger Insekten anlocken als vergleichbare Halogen-Metalldampflampen. Ebenfalls von Vorteil: LED-Module arbeiten auch bei niedrigen Temperaturen von minus 20 Grad im Dauerbetrieb ohne Probleme, und ihre lange Lebensdauer verlängert Wartungsintervalle, wichtig vor allem an schwer zugänglichen Stellen.

Lichtmanagement

Lichtmanagementsysteme bringen Komfort und Dynamik in die Fassadenbeleuchtung, z. B. durch Farbwechsel oder einzeln adressierbare Leuchten. Für historische Gebäude eignen sich eher funkbasierte Nachrüstlösungen; bei Neubauten sollten entsprechende Systeme schon zu Beginn eingeplant werden. Mit der richtigen Lichttechnik und einem flexiblen Steuerungskonzept kann nicht nur eine spektakuläre Beleuchtung erzielt werden, sondern auch energieeffizient gelöst werden.

Bei der Fassadenbeleuchtung sind Störwirkungen und Abstrahlungen in den Himmel nach DIN EN 12464-2 zu vermeiden.

Maximal zulässige Störwirkungen von Außenbeleuchtungsanlagen




  
Licht am
Immissionsort
  Lichtstärke
der Leuchte
 

Anteil des nach oben gerichteten Lichts

Leuchtdichte  
Ev   I   RUL Lb Ls
lx   cd   % cd/m2 cd/m2
Umweltzone vor Geltungszeit* nach Geltungszeit vor Geltungszeit nach Geltungszeit   Gebäude- fassade Schilder
E1 2 0 2.500 0 0 0 50
E2 5 1 7.500 500 5 5 400
E3 10 2 10.000 1.000 15 10 800
E4 25 5 25.000 2.500 25 25 1.000

Dabei ist

E1   = dunkle Bereiche, wie z. B. Nationalparks oder geschützte Stätten
E2   = Bereiche mit geringer Gebietshelligkeit, wie z. B. Industriegebiete oder Wohngebiete in ländlicher
Umgebung
E3   = Bereiche mit mittlerer Gebietshelligkeit, wie z. B. Industriegebiete oder Wohngebiete in Vororten
E4   = Bereiche hoher Gebietshelligkeit, wie z. B. Stadtzentren und Geschäftszentren
Ev   = ist der Maximalwert der vertikalen Beleuchtungsstärke am Immissionsort in lx.
I      = ist die Lichtstärke jeder einzelnen Lichtquelle in der potenziellen Störrichtung in cd.
RUL = ist der Anteil des Lichtstroms der Leuchte(n), der oberhalb der Horizontalen abgestrahlt wird,
wenn die Leuchte(n) sich in ihrer installierten Position und Lage befindet/befinden in %.
Lb   = ist die höchste mittlere Leuchtdichte einer Fassade eines Gebäudes in cd/m2.
Ls   = ist die höchste mittlere Leuchtdichte von Schildern in cd/m2.

* Im Fall, dass eine Geltungszeit nicht gegeben ist, dürfen die höheren Werte nicht überschritten
werden und die niedrigeren Werte sollten vorzugsweise als Grenzwerte herangezogen werden.

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