29.10.2020

Arbeitsplatzbeleuchtung ist häufig anstrengend

Lichtfarbe wirkt sich auf kognitive Leistung aus

Das klassische neutralweiße Licht im Büro ist nicht leistungsfördernd. Zu dem Ergebnis kamen Johannes Zauner und Prof. Dr. Herbert Plischke im Lichtlabor der Hochschule München. Sie untersuchten in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Chemnitz die Wirkung von unterschiedlichen Farbspektren von Licht auf den menschlichen Körper und die kognitive Leistung. Ihre Studie „Influence of common lighting conditions and time-of-day on the effort-related cardiac response“ ist im Magazin Plos One erschienen.

Bereits bekannt war, dass blaues Licht aktivierend und konzentrationsfördernd wirkt. Schwieriger zu beantworten ist die Frage: Was genau passiert im Innern des Körpers und welche Teilsysteme werden wie beeinflusst, wenn Menschen unter einem bestimmten Licht arbeiten?

Unbewusste Reaktion des Körpers
Anhand der Herztätigkeit leiteten die Forschenden ab, wie anstrengend eine bestimmte Arbeit bei einem bestimmten Licht ist. Probanden durchliefen bei drei unterschiedlichen Lichtspektren Gedächtnis- und Reaktionstests in einem typisch eingerichteten Büroraum ohne Tageslicht, dafür aber mit weißen Wänden und Tischen, die Licht reflektieren. Mit dem Ergebnis, dass helle Morgenbeleuchtung im Körper am wenigsten fordernd ist. Die Arbeit unter neutralweißem Licht war besonders mühsam. Rund zwei Prozent mehr Energie musste der Körper dazu aufwenden. Die Probanden selbst spürten keinen Unterschied. Die erhöhte Herzfrequenz war also eine unbewusste Reaktion des Körpers, um mehr Energie bereitzustellen.

Licht an Tageszeit anpassen

Neutralweißes Licht ist die Standartbeleuchtung an Arbeitsplätzen. „Wir konnten feststellen, dass eine typische Lichtumgebung im Arbeitsumfeld zu höherer Anstrengung für die Probanden führt. Empfehlenswert wäre eine circadiane Regulierung der Lichtbedingungen für den Morgen und den Abend. Als Momentaufnahme ist das Ergebnis nicht kritisch zu sehen, da die Effekte nur etwa zwei Prozent ausmachen. Da wir statischen Lichtbedingungen aber über Jahrzehnte unseres Arbeitslebens ausgesetzt sind, kumulieren sich diese kleinen Effekte zu relevanten Faktoren. Sie sind dann eine Frage der Ergonomie“, wird Johannes Zauner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule München, in der Pressemitteilung des Instituts zitiert. Empfehlenswert seien daher LED-Leuchten, die dimmbar sind und die Farbtemperatur ändern können. „Eine professionell geplante Beleuchtungsanlage mit Lichtsteuerung nach dem Human-Centric Lighting-Konzept, kurz HCL, ist eine sinnvolle Unterstützung der Mitarbeiter. Sie orientiert sich am natürlichen Verlauf des Tageslichts und ändert automatisch Lichtfarbe, Helligkeit und Dynamik nach Tages- und Jahreszeit“, erklärt Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de. Pro Arbeitsplatz könne auch eine Decken- oder Stehleuchte mit HCL-Funktion zum Einsatz kommen. Als kleinste Lösung könnten auch verschiedene Leuchten verwendet werden.

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