Praxisbeispiel: Biologisch wirksame Beleuchtung im Büro

Moderne Beleuchtungskonzepte für Büro und Verwaltung gehen über ergonomische Aspekte der Lichtqualität hinaus: Sie bringen die Dynamik des natürlichen Tageslichts ins Gebäudeinnere und unterstützen die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz.

Tätigkeiten im Büro stellen vielfältige Anforderungen. Eine biologisch wirksame Beleuchtung kann Stimmung und Wohlbefinden nachhaltig stärken – auch in den Wintermonaten, wenn die innere Uhr kaum mit dem Tageslicht synchronisiert wird. Sinnvoll sind Lösungen mit nicht-visuellen Wirkungen vor allem in Räumen, in denen Menschen lange Zeit verweilen – wie z. B. Büroräume, Konferenz- und Besprechungsräume. Auch Räume mit geringer Tageslichtversorgung, z. B. Großraumbüros oder Flurbereiche, eignen sich für eine dynamische Beleuchtung.

Nach dem Vorbild des Tageslichts

Ausgestattet mit einer Lichtsteuerung und entsprechenden Sensoren, verändert eine biologisch wirksame Beleuchtung Helligkeit und Lichtfarbe dynamisch im Tagesverlauf. Großformatige Leuchten und aufgehellte Decken sorgen nach dem Vorbild des Himmels tagsüber für eine flächige Beleuchtung, die mit hohen Blauanteilen im Licht und Beleuchtungsstärken von rund 500 Lux am Auge belebend wirkt. In den Abendstunden sollte die Beleuchtung nicht mehr aktivierend wirken, damit der Körper das Schlafhormon Melatonin (später Link auf Begriff im Lexikon, wenn eingepflegt). bilden kann. Besser sind dann gerichtetes, warmweißes Licht aus direkt strahlenden Leuchten und eine reduzierte Helligkeit.

Planungsempfehlungen

Beleuchtungsstärken und wechselnde Farbtemperaturen der künstlichen Beleuchtung sollten sich dynamisch dem natürlichen Tagesverlauf anpassen und nach dem einfallenden Tageslicht geregelt werden.

Aktivierend wirken nach DIN SPEC 67600 zwischen 8 und 10 Uhr z. B. eine vertikale Beleuchtungsstärke am Auge von 250 Lux und eine Farbtemperatur von 6.000 Kelvin oder mehr. Sie kann auch zwischen 13 und 14 Uhr belebende Impulse setzen. Am Abend zwischen 18 und 20 Uhr sollte die Beleuchtung unter 200 Lux vertikal am Auge und maximal 3.000 Kelvin zur Entspannung beitragen. In den übrigen Arbeitsstunden sollte das Beleuchtungsniveau den Erfordernissen der jeweiligen Sehaufgaben entsprechen. Bei der Planung sind deshalb zunächst DIN EN 12464-1 samt Beiblatt sowie die Arbeitsstättenregel ASR3.4 zu beachten.

Elektronische Steuerung im Büro

Zahlreiche Anwendungen und Studien belegen die positiven Wirkungen einer circadian wirksamen Beleuchtung:

  • Die Mitarbeiter fühlen sich wacher.
  • Sie sind messbar leistungsfähiger.
  • Punktuell höhere Beleuchtungsstärken und dynamisch sich verändernde Lichtfarben wirken sich positiv auf die Konzentration aus.

Einige Bürogebäude sind inzwischen komplett mit dynamischer Beleuchtung ausgestattet. Über den Tag voreingestellte Lichtstimmungen unterstützen den circadianen Rhythmus des Menschen sinnvoll.

Günstig sind großflächige Leuchten mit Lichtquellen, deren Farbtemperatur zwischen warweiß und tageslichtweiß veränderlich ist. Zudem lassen sich einzelne Arbeitsplätze individuell beleuchten.

Lichtstimmungen im Tagesverlauf

Positive Reaktionen der Angestellten vermerkte eine noch immer gültige Studie aus Hamburg. Die Angestellten hatten über je vier Wochen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen gearbeitet. Dabei wurden für die Deckenbeleuchtung Elemente aus jeweils drei Einzelleuchten ausgewählt, die ihr Licht sowohl direkt als auch indirekt abstrahlen. Die erste Lichtstimmung entsprach mit 500 Lux Beleuchtungsstärke und 4.000 Kelvin Farbtemperatur einer normgerechten Beleuchtung. Einziger Unterschied: Die Lichtrichtung veränderte sich im Tagesverlauf. Wie die Sonne strahlte das Licht morgens direkt, wurde gegen Mittag diffuser und nachmittags wieder direkter.

In Lichtstimmung 2 wurden die direkt strahlenden Leuchten mit 3.000 Kelvin warmweißer Lichtfarbe ausgerüstet, die indirekt strahlenden dagegen mit kaltweißen 8.000 Kelvin. Das Licht wird dynamisch gesteuert: Anregendes Morgenlicht bis zur warmen, gedämpften Lichtstimmung am Abend. Zum Leistungstief am frühen Nachmittag steigt die Beleuchtungsstärke auf bis zu 1.000 Lux, gleichzeitig erhöht sich die Farbtemperatur zwischen 13.15 und 14.45 Uhr auf etwa 8.000 Kelvin; der warmweíße Lichtanteil sinkt.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Mitarbeiter durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen tageslichtweißem Indirektanteil und warmweißem Direktanteil wacher und wohler fühlten. Punktuell höhere Beleuchtungsstärken und Lichtfarben wirkten sich laut Protokoll positiv auf die Reaktionszeit aus – und das nicht nur mittags, sondern auch nachhaltig über den ganzen Tag. Mitarbeiter fühlen sich wacher und wohler

Richtige Beleuchtung im Büro

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