Hinweise zur Nachtschicht

Rund 15 Prozent aller Beschäftigten arbeiten regelmäßig nachts, bis zu 25 Prozent gelegentlich. Für diese Gruppe ist die Empfehlung des richtigen Lichts zur richtigen Zeit nicht einfach; die Forschungen laufen noch.


Problematisch sind insbesondere Drei-Schicht-Systeme mit Nachtschicht, die auf einem regelmäßigen Wechsel der Schichten basieren. Hier muss davon ausgegangen werden, dass ein solcher Wechsel das circadiane System in einem Maße stört, dass auch mit Licht eine Anpassung der inneren Uhr an die Arbeitszeiten nicht möglich ist.

Zwei-Schicht-Systeme, bei denen zwischen Früh- und Spätschicht gewechselt wird, lassen sich hingegen gut mit Licht unterstützen. Der circadiane Rhythmus lässt sich mit Licht pro Tag um etwa 2 bis 3 Stunden verschieben. Da in der Regel nach 2 oder 3 Tagen zur nächst späteren Schicht gewechselt wird, ist eine Synchronisierung im Drei-Schicht-System nicht möglich. Eine kaltweiße, tageslichtähnliche Beleuchtung in der Nachtschicht führt eher zu erheblichen Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus.

Sauberkeit und Hygiene sind die wichtigsten Anforderungen bei der Lebensmittelverarbeitung. DIN EN 12464-1 fordert für Arbeitsplätze und kritischen Zonen in der Lebensmittelindustrie wie in Schlachthöfen, Metzgereien oder wie hier in Molkereien mindestens 500 Lux Beleuchtungsstärke. Für die Beurteilung der Lebensmittel ist zudem eine gute Farbwiedergabe notwendig. (Foto: licht.de/Norka)
Im Faulturm entstehen Gase. Die Beleuchtung muss daher höchsten Anforderungen genügen und Leuchten müssen explosionsgeschützt (Ex-Leuchten) sein. (Foto: licht.de/Norka)

Wissenschaftler favorisieren daher, das circadiane System auch bei rotierender Schichtarbeit möglichst gut mit dem natürlichen äußeren Tag-Nacht-Rhythmus zu synchronisieren. Dies kann erreicht werden, indem auch bei Schichtarbeitern tagsüber Licht mit hohen und nachts mit geringen Blauanteilen eingesetzt wird. Eine ausreichende Helligkeit auch während der Nachtschicht muss gutes Sehen sicherstellen und Ermüdung verhindern. Welches die dafür optimalen Helligkeiten und Farbtemperaturen sind, ist Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten.

Randbedingungen berücksichtigen

Die Aussagen von Wissenschaftlern stimmen darin überein, dass sowohl eine statische „Standardbeleuchtung“ für Tag- und Nachtschicht als auch eine helle, tageslichtweiße Beleuchtung für die Nachtschicht bei rotierender Schichtarbeit nicht geeignet sind. Diese Thematik bedarf allerdings weiterer Forschungsarbeiten und die hier gegebenen Empfehlungen können noch nicht abschließend als allgemeingültig angesehen werden. Die Beleuchtung für Arbeitsplätze bei rotierender Schichtarbeit sollte immer unter Berücksichtigung der spezifischen Randbedingungen mit den Vertretern der betroffenen Mitarbeiter, dem lokalen Gesundheitsmanagement und den für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit verantwortlichen Stellen geplant werden.

Abend- und Nachtschicht

Die Forschungen zur Lichtwirkung bei Schichtarbeit sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit empfehlen Wissenschaftler:

  • Lichtfarben und Beleuchtungsstärken, die am Tag sinnvoll sind, können in der Nacht Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus verursachen.
  • Umgekehrt sind Lichtszenarien, die für die Abend- und Nachtschicht geeignet sind, für den Einsatz am Tag meistens ungeeignet.
  • Sinnvoll ist daher eine Lichtsteuerung, die einen Wechsel zwischen Tag- und Nachtbeleuchtung ermöglicht.
  • Tageslichtweiße Beleuchtung in der Nacht vermeiden, wenn keine dauerhafte Verschiebung des circadianen Systems möglich ist (ggf. bei Dauernachtschicht, wenn die Nacht immer zum Tag wird).
  • Warmweiße Lichtfarben am Abend und in der Nacht – durchaus bei hohen Beleuchtungsstärken – verwenden.

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