Inbetriebnahme des Lichtmanagementsystems

Ist die Lichtplanung für die neue Anlage abgeschlossen – auch unter Berücksichtigung zukünftiger Anforderungen, Normen und anderer Parameter – sollte vor der eigentlichen Inbetriebnahme eine möglicherweise gewünschte Interaktion mit weiteren Gewerken geprüft werden. Ein gemeinsam erstellter Installationsplan schützt vor unliebsamen Überraschungen.

 

Die Lichtplanung muss durch eine Elektroplanung nach geltenden elektrotechnischen Normen ergänzt werden. Sie definiert außerdem die notwendige Not- und Sicherheitsbeleuchtung für das Gebäude und bindet das System in die Gebäudeinfrastruktur ein. So können andere Gewerke mit dem Lichtmanagementsystem interagieren, müssen es aber nicht.

Da Licht- und Elektroplanung üblicherweise nicht in der Hand des Personenkreises liegen, der sie vor Ort installiert und parametriert, muss eine umfangreiche Dokumentation in Form eines „Installationsplans“ erstellt werden. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Elektroinstallation in der Regel vor der Inbetriebnahme des Lichtmanagementsystems erfolgt. Je nach Systemausgestaltung müssen Leuchten an die Stromversorgung und – bei verdrahteten Kommunikationssystemen – zusätzlich an eine BUS-Leitung angeschlossen werden. Eventuelle Abweichungen vom Installationsplan, die sich erst vor Ort aufgrund bautechnischer Gegebenheiten ergeben, müssen dokumentiert werden. Nach Abschluss der Elektroinstallation empfiehlt sich neben der technischen Abnahme der Gesamtanlage ein genereller Funktionstest aller elektrischen Anschlüsse sowie der verlegten BUS-Leitungen. Das vermeidet bei Inbetriebnahme des Lichtmanagementsystems eine möglicherweise aufwendige Suche nach Fehlern, die in der elektrischen Anlage liegen.

Wichtig ist ebenfalls, den Zeitpunkt der Inbetriebnahme unter der folgenden Annahme zu bestimmen: Lichtmanagementsysteme verhalten sich während der Inbetriebnahme unterschiedlich, etwa durch Ein- und Ausschalten oder Aufblinken von Leuchten während der Adressierung, die den normalen Betriebsablauf beeinträchtigen (beispielsweise im Büro) oder unmöglich machen könnten (beispielsweise im Krankenhaus). Ohnehin ist keine reguläre Nutzung von Räumen und Gebäuden möglich, bevor die verlässliche Funktion der Notbeleuchtung sichergestellt wurde. Einige Lichtmanagementsysteme bieten für die rasche Inbetriebnahme einen Schnellstart mithilfe vorgegebener Werkseinstellungen.

Die Parametrierung kann ein Installateur oder ein Systemintegrator vornehmen. Vor Beginn sollte jedoch genau nachgelesen beziehungsweise definiert werden, welche Leuchten oder Leuchtengruppen sich in welcher Situation, bei welchem Auslöser und zu welchem Zeitpunkt wie verhalten sollen. Die Möglichkeiten variieren je nach gewähltem Lichtmanagementsystem und beziehen sich hauptsächlich auf Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit. Einige Beispiele sind:

  • Zeiteinstellungen können definieren, wann und in welchem Modus die Beleuchtungsanlage funktionieren soll.
  • Beim Einsatz von Präsenzmeldern bietet eine präsenz- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung die größten energetischen Einsparmöglichkeiten.
  • Szenen können vorab definiert und per Tastendruck aufgerufen werden, um die Lichtverhältnisse optional den Bedürfnissen bei bestimmten Tätigkeiten anzupassen.
  • Die Parametrierung eines Orientierungslichts in einem Flur oder einer Schwarmfunktion in einem Büro kann komplett dunkle Zonen vermeiden und das Sicherheitsgefühl steigern.
  • Ein Tagesablauf nach dem Konzept Human Centric Lighting – mit dynamischen Lichtveränderungen und Anpassung der Farbtemperatur nach dem Vorbild des Sonnenverlaufs – kann mit der biologischen Wirkung von Licht das Wohlbefinden und damit auch die Leistungsfähigkeit steigern.

Wie sich eine Leuchte oder Leuchtengruppe verhalten soll, kann in der Lichtmanagementsoftware festgelegt werden. Das Vorgehen bei einer solchen Parametrierung hängt vom gewählten Lichtmanagementsystem ab.

Inbetriebnahme mit DALI

Ein weit verbreitetes System ist DALI. Die Abkürzung steht für „Digital Addressable Lighting Interface“. Das bedeutet: Es wird ein digitales Protokoll verwendet, um Lichtquellen über eine elektrische Leitung zu verbinden und über ein BUS-System zu steuern. Dabei startet die Parametrierung mit der Identifikation (Adressierung) aller DALI-BUS-Teilnehmer. Mit dem Standard DALI-2 ist auch die Einbindung von Eingabegeräten wie Tastern, Präsenz- oder Bewegungsmeldern über einen DALI-BUS möglich.

Eindeutig identifizierte Leuchten und Eingabegeräte lassen sich einer oder mehreren Gruppen zuordnen. Für einzelne Leuchten oder Gruppen werden dann die gewünschten Einstellungen vorgenommen. Es ist ratsam, sämtliche Einstellungen detailliert zu dokumentieren.

Bei der Inbetriebnahme von Beleuchtungsanlagen ist die Vornorm DIN CEN/TS 18036 zu beachten, die zudem weitere Aspekte beschreibt.

Inbetriebnahme über die Cloud

Die cloudbasierte Inbetriebnahme von Beleuchtungssteuerungen ist eine moderne und effiziente Lösung, mit der sich Lichtmanagementsysteme zentral verwalten und flexibel optimieren lassen. Zunehmend setzen heutige Systeme auch auf digitale Zwillinge oder BIM-Modelle. Mit ihnen kann die Parametrierung unabhängig von der physischen Lokalisierung einzelner Elemente erfolgen. Für eine weitergehende Automatisierung werden die Endgeräte mit Geo-Referenzen versehen und die digitale Identität mit der realen Position in der Anlage verknüpft. Durch diesen Ansatz ist es möglich, komplette Projekte inklusive Funktionen, Gruppen und Schnittstellen bereits im Vorfeld digital zu definieren und dann in die reale Welt zu transferieren. Vor Ort müssen anschließend nur noch die Feldgeräte mit ihren virtuellen Äquivalenten in der Cloud verknüpft werden. Das verkürzt die Inbetriebnahme und spart Kosten. Zudem ist eine schrittweise Inbetriebnahme möglich, bei der direkt nach der Installation eine voll funktionsfähige Anlage zur Verfügung steht.

 

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